Interview mit mir.

Die Selbstdarstellung eines Autors.

 

Woher kam die Idee, ein Buch zu schreiben?

 

Schuld an allem ist das Lied eines Chors. Eigentlich ist es ein fröhliches Lied, dieses „Spiel mir eine alte Melodie“. Der Chor hat es auch sehr schön interpretiert, trotzdem hatte ich urplötzlich die Vorstellung, irgendwelche Geister würden im Nebel tanzen. Erstaunlicherweise gab es keine Probleme, zu der Melodie einen neuen passenden Text zu dichten. Wenige Tage darauf, sprang mich der Refrain des Liedes „Whisky in the jar“ von den Dubliners förmlich an. Das wird ein Zwergenlied. Und was mach ich jetzt damit?

Phantastische Geschichten mit Drachen und Zwergen haben mich schon immer fasziniert. Vielleicht kann ich sowas auch. Kein Wunder, dass der Herr der Ringe von mir schon viele Male verschlungen wurde. Auch andere Schriftsteller dieses Genres habe ich konsumiert. Warum es nicht auch mal selbst versuchen.

 

Das wirkt aber ziemlich planlos.

 

Es war ja auch nicht geplant, dass ich ein Buch schreibe. Im Moment bin ich erst noch in der Lernphase, wenn man so will. Sehr eindringlich habe ich die Karte von Mittelerde im Kopf. Eine eigene Welt zu erfinden war ich, gelinde gesagt, zu faul. Wie wär’s, wenn ein Drache im eigenen Landkreis heimisch würde? Aber zu welcher Zeit?

Letztlich fand ich, dass die beste Zeit der Beginn des Mittelalters sei. Ausgehend davon, dass die erste urkundliche Erwähnung nicht gleichbedeutend mit der Gründung ist, reifte der Entschluss, die Orte mit ihren zuerst bekannten Namen zu nutzen. Es beginnt die aufwändige Phase der Recherche. Welcher Ort wurde mit welchem Namen erstmals erwähnt. Allein das war schon mehr als interessant und bot schon einige Überraschungen für die zukünftige Geschichte. Daraus ist Graf Buodo von Buodingen entstanden. Die Erkenntnisse fließen in eine Tabelle, für schnelle zukünftige Zugriffe.

Die Zwerge durften in die Tropfsteinhöhle bei Steinau einziehen. Für die Halblinge fand sich leicht eine große Wiese und schon war die Welt für meine Erzählungen fertig, denn der Drache haust überall. Am liebsten aber bei den Halben. Für mich ist es wichtig, dass die reale Welt die Basis ist und meine Phantasie darin entfaltet wird.

Jetzt muss man sich nur noch darüber schlau machen, wie man so lebte. Langes Lesen im Internet legt lang verschüttetes Wissen wieder frei und Neues kommt dazu. Eine Website bietet nahezu unerschöpfliche Ansätze für Erzählungen. Daraus entstand die Idee für den dreihunderttägigen Winter.

 

Dann sind wir jetzt soweit zu erfahren, wie es zu den Büchern kam.

 

Ja und nein. Es lebt außer dem Drachen noch kein weiterer Charakter. Ich mache mich gerade über die Rechtsprechung im Mittelalter schlau. Es ist schon der Hammer, was sich die Herren erlauben konnten, nur weil sie reich waren und Einfluss hatten. Aber eigentlich ist es doch nichts Neues. Dabei bin ich bei der Straftat der Vergewaltigung hängen geblieben.

Auch ungeheuer spannend sammelten sich Worte in meinem Kopf, die unbedingt in die Story mit einfließen mussten. Da erkennt man erst einmal, wie sich heutige Begriffe aus den damaligen Bezeichnungen entwickelt haben. Wer weiß denn heutzutage, dass eine Motte nicht nur ein kleiderfressendes Tier ist, sondern dass man früher darin lebte?

Erst ab diesem Moment kann man davon reden, dass eine Geschichte erzählt werden soll. Da habe ich also eine Vergewaltigung. Wer soll es gewesen sein? Und, und, und. Es kamen auf einmal immer mehr und ganz unbekannte Charaktere dazu. Die mussten sich erst mal vorstellen und ehe ich es mich versah, verselbständigten sie sich. Ich hatte keine Ahnung, dass das Vergewaltigungsopfer sich dazu aufschwingen würde, Wiedergutmachung zu fordern. Erst dadurch wurde aus der kleinen Geschichte ein richtiges Buch. Wegen der vielen „alten“ Worte mag es nicht ganz so leicht zu lesen sein. Für die Einführung in mein Chynzychtal ist es aber unerlässlich.

 

Wie kam es dann zum zweiten Buch?

 

Nach Eringus – Der Drache vom Kinzigtal sollte eigentlich die Geschichte von dem langen Winter folgen. Nachdem aber Prinz Gernhelm die Geschichte vom Krieg gegen die Alben erzählte, wollte ich auch wissen, was da geschehen war. Woher sollte ich ahnen, dass Waltruda am Anbeginn aller Zeiten anfängt. Am Ende muss ich aber zugeben, dass das nicht verkehrt war. Auf diese Weise lernte ich jene kennen, die mir und meinen Chynzychtalern das Leben schwer machen werden.

Daraus ergab sich dann eine Helden und Göttersage der Zwerge und ein Buch, mit dem ich meine Abscheu gegen den Krieg zum Ausdruck gebracht habe. Ich hasse mich für all die gemeinen Hinterhalte, die ungeheuren Taktiken und fürchterlichen Waffen. Und ich bin stolz darauf.

 

Das eigentlich zweite Buch rückte also an dritte Position!

 

Genau und damit war klar, dass sich das Ganze zu einer Serie ausdehnen wird. Mit den letzten vier Büchern werde ich große Themen aufgreifen. Ich beschäftige mich mit Wynfreth, den man als Bonifatius kennt. Ihm folgt eine Erzählung aus den Kindertagen Karls des Großen. Zur Mitte des achten Jahrhunderts begann man Weihnachten zu feiern. Diese Geschichte wird sich um die Feiern der Zwerge und Halblinge kümmern. Mit dem letzten Buch verabschiedet sich Eringus aus dem Chynzychtal. Es wird fürchterlich, das Tal ist danach nicht mehr das, was es war. Dazwischen gibt es noch viele Abenteuer zu erleben.

 

Jetzt ist das dritte Buch erschienen. Dieser lange Winter.

 

So ist es. Es knüpft an das Erste an. Dafür habe ich einen verbindenden Rückblick vorangestellt. Ich habe mir für dieses schwierige Thema Unterstützung gesucht, denn es ergeben sich weitreichende Auswirkungen. Vom NABU und von den Wetterspezialisten habe ich auch freundliche Unterstützung erhalten. Andere haben mich wahrscheinlich nicht ernst genommen.

Für den Verlauf habe ich erstmals eine Zeitschiene erstellt und die Ereignisse an den verschiedenen Schauplätzen koordiniert. In bewährter Weise habe ich wieder nicht mit der Selbständigkeit meiner Figuren gerechnet. Ich war fast die ganze Zeit bemüht, meinen Plan zu verfolgen. Und auch dieses Mal hat sich eine unerwartete Geschichte aufgedrängt. Schließlich blieb am Ende die Frage offen, wie die Chynzychtaler aus der Misere herauskommen. Die Grobfassung ist bereits fertig. Es wartet nun auf die erste Korrekturlesung. Also ist das ursprüngliche dritte Buch inzwischen das Fünfte. Dafür wird dann aber das Lied, mit dem alles begann, endlich veröffentlicht.

 

Die Lieder sind wohl ein wichtiger Bestandteil der Bücher.

 

Sie sind nicht nur ein wichtiger Bestandteil, sie sind nahezu unerlässlich. Alle meine Texte erzählen Geschichten und geben ergänzende Informationen zu Charakter oder Hintergrund. Mit dem Texten gibt es kaum Probleme. Wichtig ist, dass die Melodie zu mir kommt. Ich kann nicht hergehen, ein Lied nehmen und umtexten, wenn es mich nicht anspricht. Dazu werde ich nie etwas zusammen bringen.

Genauso wichtig ist mir, dass die Melodie, mit mittelalterlichen Instrumenten gespielt, gut klingen mag. Sehr viele Instrumente gab es damals leider nicht. Gottlob habe ich meine Halblinge. Sie sind nicht nur hervorragende Gärtner und Landwirte, sondern auch wunderbare Poeten und Musikanten.

Auch die Zwerge singen gerne. Allerdings ist ihre Musik eher kraftvoller und wilder.

 

Welche Rolle spielt der Glaube in den Geschichten?

 

Als gläubiger Mensch gehört das zum Leben dazu. Mein Bruder fragte mich, wie ich nur immer auf solche Ideen käme. Ich antwortete, dass ich eigentlich nur der Schreiber sei, die Ideen kommen von weiter oben.

Darum sind auch meine Zwerge und Halblinge sehr gläubig. Sie haben es auch leicht. Ihre Geschlechter haben schließlich schon des Öfteren direkte Erfahrungen mit ihren Göttern gemacht.

Dagegen ist Eringus zu Beginn ein eingefleischter Atheist. Aber schon im ersten Buch kommen ihm Bedenken. Ich verrate nicht zu viel wenn ich sage, dass er im letzten Band auch seinen Gott findet. Letztendlich verdanke ich den Göttern große Unterstützung für meine Helden. Ich kann ja nicht alles mit Magie lösen.

 

Magie ist ja in vielen Fantasy-Geschichten sehr beliebt.

 

Ein Drache an sich ist ja schon die reine Magie. Ich bin stets bemüht, alles in realem Rahmen zu halten. Es steht nur das zur Verfügung, was es im Mittelalter auch gab. Eventuell ziehe ich eine Erfindung oder Entwicklung ein wenig vor.

Das gleiche gilt auch für den Drachen. Er ist von seinem Äußeren strickt an die natürlichen Regeln eines Geleitfliegers wie Adler oder Bussard entwickelt. Leider ist er aber um rund 100 Pfund zu schwer. Der Rest ist halt Magie.

Im Übrigen halte ich es so, dass es keine wahre Magie gibt. Schon gar nicht für Menschen. Selbst Zwerge und Halblinge wirken keine Magie. Das Monatsfest der Halben oder die Weihe von Zank und Streit, der doppelköpfigen Axt, waren und sind eigentlich nur Gebete. Und schon sind wir wieder bei den unverzichtbaren Göttern.

 

Wie sind denn die Arbeitsschritte bei der Bucherstellung?

 

Zunächst schreibe ich soweit es geht. Das ist manchmal komplett durch, manchmal gibt es eine Zwangspause. Entweder haben mich meine Helden in die Enge getrieben oder ich habe einfach keine Idee zur Fortsetzung. Wenn es geht, beginne ich derweil das nächste Buch. Ich weiß ja, wie das Ende vorher sein soll.

Ist die Rohfassung fertig, schreibe ich gleich weiter. Damit wahre ich die Kontinuität. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis ich den zweiten Bearbeitungsschritt beginne. Wenn ich schreibe, kommen erst einmal all meine Gedanken zur Geschichte „zu Papier“. Erst im zweiten Durchgang kommen die Feinarbeiten. Ausführliche Beschreibung, Ausdruck, Grammatik und so weiter sind jetzt Hauptziel. Dabei werden auch die Datenblätter der Charaktere erstellt oder aktualisiert. Im dritten Schritt wird nochmals alles auf den Prüfstand gestellt. Dazu picke ich noch das heraus, womit ich die Website aktualisiere.

Abschließend sind dann meine Testleser an der Reihe. Trotz allem aber kann ich nicht ausschließen, dass irgendwo noch ein Fehler übrig bleibt. Sollte also ein geneigter Leser etwas finden, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

 

Ich stelle mir eine Geschichte über einen so langen Winter recht langweilig vor. Woher kommt die Spannung?

 

In diesem Fall kommt die Spannung aus der Ohnmacht der Chynzychtaler und dem Wunsch, den Alben zu besiegen. Allerdings bin ich nicht daran interessiert, ein Buch zu schreiben, das meine Leser mit seiner Spannung erschöpft. Natürlich ist ein Buch, das derart packend ist, dass man es nicht mehr aus der Hand legen kann, hervorragend geschrieben. Zweifelsohne! Doch nach so einer Lektüre bin ich, für meinen Teil, derart fertig, dass ich es leider kein zweites Mal lesen möchte.

In meinen Geschichten kommt die Spannung aus dem Ablauf an sich. Ich will die Leser damit binden, dass sie sich Gedanken machen, wie die Lösung aussehen wird. Das Problem liefert die Spannung. Außerdem will ich eine leichte Unterhaltung bieten, die nicht erschöpft, aber trotzdem dazu reizt, zu Ende zu lesen. Und ich bin überzeugt, das schaffe ich in jedem Buch.

 

Vielen Dank für das Interview. Ich denke, jetzt kann man sich ein Bild vom Erfinder des Drachen vom Kinzigtal machen.